Kritik zum Rekordeknacker „Fifty Shades Of Grey“

Dieser Film bricht momentan vielerorts Rekorde und bringt Kritiker damit an den Rand des Wahnsinns. Während diese „Fifty Shades Of Grey“ übel zerreißen, gilt er in Deutschland als der beste Filmstart seit „James Bond : Casino Royal“ von 2006 und der beste Filmstart überhaupt eines von einer Frau inszenierten Films. Ein weiterer Fakt besteht zweifellos, denn jeder will diesen Film sehen und mitreden können. Dabei begann alles einst mit einer Twilight-Fanficition im Internet, mit der Buchautorin E.L. James langsam aber sicher einen kompletten Roman rund um Sex und Sadomaso füllte. Die Bestseller-Reihe verkaufte sich über 70 Millionen Mal und nun wird der gerne als Softporno angepriesene Content auch im Kino salonfähig gemacht. Zugegeben, neugierig macht das schon.

Vom Hauen und Umhauen

Die Story ist vom Kern her natürlich die heimliche Traumvorstellung aller Frauen und deswegen verständlicherweise extrem ansprechend. Ein gut aussehender, junger und zudem schwerreicher Mann macht einem schüchternen, 08/15-Mädchen den Hof. Doch als Anastasia ‚Ana‘ Steele (Dakota Johnson) für ein Interview ihrer Mitbewohnerin Kate (Eloise Mumford) einspringt, begegnet sie zum ersten Mal dem beeindruckenden, aber auch arroganten Unternehmer Christian Grey (Jamie Dornan). Der Mann hat eine starke Anziehungskraft auf sie, die scheinbar auf Gegenseitigkeit beruht, denn ab sofort buhlt Grey um die Gunst des Mauerblümchens. Das Problem folgt bald in Form seines sogenannten ‚Spielzimmers‘: Christian Grey ist kein Romantiker, er steht auf Bondage statt auf Blümchensex und will die unerfahrene Ana in seine Welt einführen.

Sex sells – oder?

Gegen Fantasie und Träume sollte niemand etwas haben, weswegen die Realitätsferne der Story hier nicht angefochten wird. Doch die erste Welle der Irritation folgt trotzdem allzu bald: Übertriebene Close-Up-Shots und teilweise wirklich nicht nötige als auch nicht passende Szenen fallen schwerwiegend auf. Zugegeben, Regisseurin Sam Taylor-Johnson („Nowhere Boy“) versucht geschickt den Moment einzufangen und ausschlaggebende Elemente des Buches auftauchen zu lassen. Es hätte auch gut funktioniert, würde sie viele Momente nicht unnötig in die Länge ziehen. Besser gelungen sind ihr da die Sexszenen, auf die alle so sehnsüchtig gewartet haben.

Ana Steele und Grey

Ästhetisch und geschmackvoll sind sie definitiv geworden, aufregend oder gar ein Wagnis ist jedoch anders. Anfangs ist es noch recht interessant, seine Gedanken vom damaligen Lesen des Buches mit der jetzigen Kinofassung zu vergleichen. Doch es folgt Sex auf Sex auf Sex, die Masse gähnt, es ist immer dasselbe, und irgendwann nervt es plump gesagt sogar. Mit Softporno hat das Ganze nur im Geringsten zu tun, es wird klar, dass der Hype um „Fifty Shades Of Grey“ nicht völlig zu unrecht entstanden ist, aber den Erwartungen auf keinster Weise entspricht. Zusätzlich verstören die aufgesetzten, unfreiwillig lustigen Dialoge, die Kelly Marcel („Saving Mr. Banks“) den Protagonisten hier in den Mund legt.

Kritik an den Schauspielern

Ein paar gute Seiten hat der Film dann aber trotzdem noch: Denn nicht alles aus dem Buch würde übernommen. Ein Beispiel: Ana benutzt gerne innere Monologe in Form einer ‚kleinen Göttin‘. Man hielt es nicht für passend, diese mit in den Streifen zu übernehmen, und dafür kann der Zuschauer dankbar sein, denn schon im Buch zählten diese zum Moment-Killer Nummer eins. Auch die Besetzung ist nicht komplett in die Hose gegangen. Oft wurde im Vorfeld vor allem auf Jamie Dornan („Once Upon A Time“) geschossen, der der Fanbase zufolge als Christian Grey nicht geeignet genug wäre. Dabei meistert der Schauspieler seine Rolle wirklich passabel, passt auch optisch gut in das Bild des Mannes und kann einen wirklich irren Blick aufsetzen. Die gewollte Mischung aus Faszination und Besessenheit wirkt authentisch. Leider macht der Wolf im Schafspelz in diesem Teil der Trilogie noch keine wirkliche Entwicklung mit. Man darf also gespannt sein, ob Dornan noch mehr Wandlungsfähigkeit besitzt und danach mit einem Durchbruch in der Filmbranche rechnen darf.

Fifty Shades of Grey

Doch alles in einem meistert er die teilweise sogar absurden Sätze, die er da vorgesetzt bekommt, mit Bravour. Genau andersherum verhält es sich mit der weiblichen Protagonistin. Anastasia Steele macht eine düstere Verwandlung durch, die mir vom Prinzip her wirklich sehr zusagt. Jedoch ist Darstellerin Dakota Johnson („Need For Speed“) eine ganz schwierige Besetzung für diesen Part. Einerseits könnte sie optisch nicht besser in diese Rolle passen. Aber ihre Art zu reden, sich auf die Lippe zu beißen und der Ausdruck in ihrem Gesicht ist extrem eigenartig und verfehlen schlichtweg den Sinn von „Fifty Shades Of Grey“. Auf ihr wird der Fluch, ständig auf diese Figur beschränkt zu werden, eher lasten als auf Jamie Dornan. Und um noch mal auf die bereits zu Anfang beschriebenen Dialoge zurückzukommen: Das mittelmäßige Screenplay führt auch beim Verhältnis der Beiden zu Schwierigkeiten und erschwert die Chemie, die hier eigentlich stimmt. Da ist es eine Wohltat zu sehen, wie entspannt und locker die Nebencharaktere im Vergleich wirken.

Schlusslicht

Im Endeffekt lässt sich Folgendes sagen: Ganze 125 Minuten, die man in 90 hätte zusammenfassen können, ziehen sich wie ein Kaugummi. Und das war erst der Beginn, denn es folgen noch zwei weitere Teile. „Fifty Shades Of Grey“ ist nicht mal von der Bildgewalt her ein Blockbuster, der sich auf der großen Leinwand lohnt. Auch von Anspruch ist weit und breit keine Spur. Wen das Thema trotzdem reizt, dem empfehle ich das Buch, denn die eigene Fantasie ist womöglich aufregender als diese Verbildlichung. Dennoch spricht der Film vor allem Frauen an und für einen entspannten Tag mit der besten Freundin sollte dagegen auch nichts einzuwenden sein. Trotzdem: Wer mit zu hohen Erwartungen in den Streifen geht, wird enttäuscht. Lieber nicht ganz so ernst nehmen, dann kann man doch noch seinen Spaß daraus ziehen.

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