Going Clear – Im Gefängnis des Glaubens

„Scientology“ – Man verbindet strenge Überwachung, Gehirnwäsche und Tom Cruise mit diesem Begriff. Doch wie viel ist an den Gerüchten rund um die Glaubensgemeinschaft tatsächlich dran und wie gefährlich ist die in der Öffentlichkeit als Sekte bezeichnete Religion wirklich? Aufschluss darüber soll die Fernsehdokumentation „Going Clear : Im Gefängnis des Glaubens“ geben, die im Mai dieses Jahres auf dem amerikanischen Free-TV Sender HBO erstmals ausgestrahlt wird. Schon mit dem Titel provozieren die Produzenten, denn das „Clear“ steht nicht nur für Klarheit, sondern ist ebenso der Begriff für das Ergebnis eines scientolgischen Gehirn-Reinigungsprozesses.

Der Background

Vorab ein paar Hintergrundinformationen: Die Dokumentation mit dem Originaltitel „Going Clear: Scientology, Hollywood and the prison of belief“ war ursprünglich ein Buch aus dem Jahr 2013, dass von Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright verfasst wurde. Wright ist selber kein ehemaliges Mitglied, aber renommierter Journalist, der lange Zeit rund um das Thema recherchiert hat. Regisseur Alex Gibney nahm sich der Herausforderung an und produzierte für den Fernsehsender HBO den kritischen Dokumentarfilm. Der Mann hat nicht nur Erfahrungen im Genre, er ist sogar für seinen Film „Taxi zur Hölle“ mit dem Oscar ausgezeichnet worden. Mit Hilfe von Wright adaptierte er das Buch und schuf einen Dokumentarfilm, der die Gemüter erregt. Bei HBO ist man darauf vorbereitet: Ganze 160 Anwälte sollen dem Fernsehsender im Falle des Falles zur Seite stehen.

Going Clear schafft Klarheit

Die Geschichte rund um den Gründer L. Ron Hubbard wird selbstverständlich auch verfolgt. Im Mittelpunkt stehen aber die Scientology-Anhänger und wieso sie in der Sekte gefangen scheinen. Es wird anhand von Archivmaterial verdeutlicht, wieso ein Ausstieg so schwierig ist und wie die Menschen vor Ort manipuliert werden. Zudem wird mit acht ehemaligen, teilweise prominenten Scientologen gesprochen, unter anderem mit dem oscargekrönten Regisseur Paul Haggis („Crash“, „Million Dollar Baby“), der nach 35 Jahren den Ausstieg im Jahr 2009 schaffte und mit Mark Rathbun, einem ehemaligen Spitzenfunktionär der Sekte. Auch den Gerüchten von Menschenrechtsverletzung und Kindesmissbrauch geht Gibney anhand der Aussagen und dem exklusiven Material auf den Grund. Und für alle Celebrity-Jäger unter euch: Ja, auch bekannte VIPs werden mit ins Visier genommen. Ob Tom Cruise, John Travolta, Nicole Kidman oder Kirstie Alley – dank Film- und Bildmaterial könnte die ungeschminkte Wahrheit ganze Karrieren ruinieren.

Der bisherige Erfolg

Schon jetzt gilt der Film als bahnbrechend: Nachdem der pikante Dokumentarfilm von Regisseur Alex Gibney beim Sundance Film Festival im Januar in Utah vorgestellt wurde, hagelte es positive Rezensionen und auch ein IMDb (Internet Movie Data Base)-Rating von 8,9 Punkte (Stand heute) unterstreicht das. Anders dürfte das Sekten-Oberhaupt David Miscavige sehen: Der Mann gilt als berüchtigt und gefährlich und hat schon so einigem Aussteiger das Leben erschwert und für endgültige Trennungen von Partnern, Freunden oder Familie gesorgt.

Scientologen laufen Sturm

Die Glaubensgesellschaft wird durch „Going Clear – Im Gefängnis des Glaubens“ auf jeden Fall einen erheblichen Schaden davontragen und seinen schlechten Ruf weiterhin behalten. Seit Bekanntgabe der Ausstrahlung demonstrieren Scientologen dagegen und laufen Sturm. Und auch bei den Anführern klingeln höchstwahrscheinlich die Alarmglocken. Dass Gibney sich hier einem sehr anstößigen Thema gewidmet hat, steht außer Frage. Schon im Vorfeld fürchteten sich amerikanische Netzwerke den Machern Material zu geben – aus Angst vor Rache. Ob und wann „Going Clear : Im Gefängnis des Glaubens“ in Deutschland erscheint, steht noch nicht fest. Man kann aber davon ausgehen, dass der Film es möglicherweise sogar noch in diesem Jahr bis hierhin schaffen wird.

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