Better Call Saul Serien-Kritik

Breaking Bad zeichnete sich seinerzeit vor allem durch seine starke Charakterzeichnung aus. Nicht nur die Hauptfiguren, auch die Nebenrollen verfügten stets über zahlreiche Eigenheiten und Charakterzüge. Ganz klar heraus stach dabei der von Bob Odenkirk gespielte Anwalt Saul Goodman. Genau dieser bekommt nun seine eigene Serie, benannt nach seinem Catchphrase Better Call Saul.

Das Breaking Bad Prequel

Es dreht sich in der Serie alles darum, wie Saul Goodman zu Saul Goodman wurde. Denn nicht immer war jener der erfolgreiche Verteidiger von Kriminellen und anderen zwielichtigen Gestalten. Seinen Ruf und seinen Erfolg musste er sich hart erarbeiten. Schon die ersten Folgen lassen dabei erahnen, dass es dabei zu zahlreichen verrückten Widrigkeiten kommt, wie sie eigentlich nur aus der Feder der genialen Breaking Bad Autoren kommen können. Das Rezept der Vorlage verändern die Macher nicht unbedingt. Auch bei Better Call Saul ist der Zuschauer immer wieder mit sehr durchdachten Plänen und alltäglichen Situationen konfrontiert, bei denen einfach nur alles schiefgeht. Was dabei wirklich zum Weitersehen animiert, sind aber die zahllosen Folgen aus eben diesen Ereignissen. Sie sind zum Teil vollkommen unvorhersehbar und spielen immer wieder gekonnt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Zumindest in der ersten Staffel wird es noch kein Wiedersehen mit Walter White oder Jesse Pinkman geben. Doch trotzdem begegnen allen Fans von Breaking Bad schon in der ersten Episode einige Bekannte. Darunter zum Beispiel Mike, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht der zuverlässige Schläger von Saul Goodman ist, sondern als Parkplatzwächter arbeitet. Die beiden kommen sich immer wieder in die Quere und tragen ihre Meinungsverschiedenheiten mit angenehm erfrischenden Dialogen aus. Das alleine sorgt schon für Unterhaltung, doch gleichzeitig fragt sich der Zuschauer natürlich auch, wie aus diesem ungleichen Gespann später ein eingespieltes Team werden konnte.

Saul Goodman und Mike
Es ist dabei als positiv hervorzuheben, dass Better Call Saul zwar solche Momente für Kenner einbaut, ansonsten aber keine allzu großen Kenntnisse des großen Vorbilds voraussetzt. Auch Neulinge werden mit der Serie deshalb in jedem Fall ihren Spaß haben. Ganz ohne Kritik kommt die Serie in dieser Hinsicht aber nicht aus. Viele Figuren aus Breaking Bad kommen nämlich bisher deutlich zu kurz. Den verrückten Drogenhändler Tuco Salamanca erkennen beispielsweise nur echte Kenner des Originals und schon nach wenigen Folgen verliert sich der Handlungsstrang mit dieser Nebenfigur. Es entsteht dabei ein wenig das Gefühl, dass Tuco zum reinen Selbstzweck seinen Weg in das Drehbuch gefunden hat. Ohne zu viel verraten zu wollen, der gleiche Inhalt wäre auch mit einem beliebigen anderen Charakter möglich gewesen.

Große Erwartungen

Den neuen Ableger von Breaking Bad zu bewerten, fällt nicht unbedingt leicht. Kritik ist an einigen Stellen durchaus angebracht, gerade das Tempo kommt zuweilen nicht richtig in Fahrt. Oft beschäftigen sich die Autoren mit scheinbaren Nichtigkeiten, was bei einigen Zuschauern für Langeweile sorgen kann. Wer die Vorlage allerdings kennt, weiß auch, dass eben solche Kleinigkeiten später noch eine wichtige Rolle spielen können. Letztlich ist es sonnenklar, dass noch irgendetwas Katastrophales passieren wird. Es ist nur noch niemandem klar, um was genau es sich dabei handeln wird. Während Fans sich beim Warten köstlich amüsieren, könnte so manch anderer sich fragen, ob all die Längen wirklich notwendig sind.

Better Call Saul Schecks Szene
Zu kämpfen hat Better Call Saul aber auch ganz einfach mit der riesigen Erwartungshaltung der Fans. Denn bei einem Vorgänger wie Breaking Bad könnte diese kaum größer sein. Bei Fans und Kritikern gilt die Geschichte rund um Walter White und seinen Aufbau eines Drogenimperiums als eine der besten Serien aller Zeiten. Dieses Niveau zu erreichen ist selbst für die Macher selbst alles andere als einfach. Zwar lässt sich derzeit noch nicht sagen, in wie weit sie mit ihrer neuen Serie diesem Anspruch gerecht werden. Doch die ersten Episoden sind bereits auf einem hohen Niveau.

Fazit und Ausblick

Ganz ohne Kritik kommt Better Call Saul nicht aus, allerdings lassen sich die Qualitäten der Serie ebenfalls nicht absprechen. Das Produktionsniveau ist auf dem höchsten nur denkbaren Level. Sowohl technisch als auch handwerklich kann sich die Serie mit den größten Vertretern messen. Die Drehbücher spielen erneut gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer, lassen aber zum Teil noch die Würze und den bitterschwarzen Humor von Breaking Bad vermissen. Doch die hervorragende schauspielerische Leistung von Bob Odenkirk lässt kleinere Mängel auch schnell wieder vergessen. Mit dem Anwalt Saul Goodman hat er eine ganz und gar einzigartige Figur erschaffen, deren einfallsreicher Redefluss immer wieder aufs Neue begeistern kann. Auf die zukünftigen Folgen und Staffeln darf sich deshalb jeder ohne Probleme freuen und auch für Neueinsteiger lohnt sich ein Blick in jedem Fall.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.